For this free C2 German exercise I propose an article from the Süddeutsche Zeitung. Read the article, then answer the ten comprehension questions below. The exercise trains text comprehension, advanced vocabulary and grammar analysis — the exact skills the Goethe-Zertifikat C2 expects.

Short answer: a C2 German reading comprehension exercise (Leseverständnis) trains you to read an authentic, demanding German text and answer questions about its meaning, vocabulary and grammar. This free exercise is based on a Süddeutsche Zeitung article about workplace culture (“Mein Feind, der Chef”) and covers advanced vocabulary, Konjunktiv indirect speech, relative pronouns and compound nouns (Nomenkomposita). The ten questions below have model answers hidden behind a Show answer toggle, so you can test yourself first.

Stuck on a question? A teacher explains exactly these grammar points in one lesson. Book a free trial lesson — no obligation.

The article: “Mein Feind, der Chef”

The article was originally published here in 2012 in the Süddeutsche Zeitung, one of Germany’s most respected newspapers.

Mein Feind, der Chef

Der Druck in der Arbeitswelt nimmt zu, aber es gibt einen bequemen Ausweg für Angestellte und die mittleren Chargen: über unfähige Vorgesetzte zu lästern. Die Führungskultur liegt im Argen. Und mit dem Thema lassen sich Bücher und Zeitschriften verkaufen.

Von Verena Wolff und Caspar Schlenk

Martin Wehrle ist der Kummerkasten-Onkel für deutsche Angestellte. Dem freiberuflichen Karriereberater aus Hamburg berichten Büromenschen aus dem ganzen Land tagtäglich die Erlebnisse mit vermeintlich unfähigen Chefs. Wehrle hat Bücher daraus gemacht, und die haben Wahnsinns-Titeln: "Ich arbeite in einem Irrenhaus", neuerdings "Ich arbeite noch immer in einem Irrenhaus" oder auch: "Der Feind in meinem Büro."

Chefs und ihre Untergebenen, das passt offenbar oft nicht zusammen. Was ist los in der deutschen Arbeitswelt?

2500 Geschichten über das Versagen in den Chefetagen hat Wehrle gesammelt. Er erzählt Geschichten von Angestellten, die eine Abmahnung eines Kollegen im Drucker fanden; die Chefs wollten Papier sparen und hatten ausgedruckte Mails wieder in den Drucker gelegt. Eine Mitarbeiterin berichtete von einer Bombendrohung, über die der Chef sie nicht informiert hatte – sonst wäre bei der Evakuierung Arbeitszeit vertrödelt worden.

Das Thema hat Konjunktur. Bestseller-Autor Wehrle, 42, handylos, hat 200.000 Exemplare von seinem Irrenhaus-Büchlein verkauft. Bild druckte seinen Test nach: "Ist Ihr Chef ein Idiot?", der Stern breitete zum "Irrsinn Büro" eine Titelstory auf. Der Karriereberater hat eine einfache Erklärung parat: "Jeder kennt Geschichten über das Versagen der Chefs – jeder fühlt sich angesprochen." Vom Sachbearbeiter bis zur Krankenschwester, von der Verkäuferin bis zum Ingenieur: Alle haben Vorgesetzte – Erlebnisse ganz eigener Art.

Dass das Thema jetzt wieder "in" ist, erklärt Unternehmensberaterin Ana-Cristina Grohnert mit der derzeitigen wirtschaftlichen Lage. "Die gesamte Berufswelt ist im Wandel", sagt das Mitglied der Geschäftsleitung von Ernst & Young. Grohnert beschäftigt sich seit Jahren mit der Führungskultur. Der dauernde Wandel auf den Märkten belaste Führungskräfte und Angestellte gleichermaßen, findet sie: "Die Sicherheit der vergangenen Jahre ist weg, derzeit müssen täglich neu Entscheidungen in einem unsicheren Umfeld getroffen werden." Durch technische Errungenschaften wie Smartphones, Twitter-Dienste wird alles schneller, oberflächlicher. Und doch lebten, so Expertin Grohnert, in vielen Firmen "die Führungskulturen aus dem vergangenen Jahrhundert fort".

"Command and Control" sei oft noch die Maxime, befehlen und kontrollieren. Im Vordergrund: das Ego des Chefs, und das duldet keine anderen Egos neben sich. Dieses Ego ist sich selbst genug, herrlich genug. Allerdings würden "diese eindimensionalen Persönlichkeiten" in der modernen Arbeitswelt nicht mehr funktionieren, sagt Grohnert. Wichtiger sei es, dass auch Vorgesetzte Vielfalt als Bereicherung verstehen und die Ideen der Mitarbeiter aufnehmen. "Manche Führungskräfte sind unsicher – und stehen sich damit selbst im Weg", diagnostiziert Grohnert.

Es kommt immer mehr auf die Chefs an

Dabei sei "Diversity Management" das Erfolgsrezept für die kommenden Jahre. Vielfalt müsse als Bereicherung gesehen werden, denn die Welt sei nicht mehr nur schwarz und weiß. "Hinzu kommt, dass einer in seinem Kopf gar nicht mehr all das abbilden kann, was in der Welt passiert." Daher sei es essentiell für den Erfolg von Unternehmen, nicht nur das Chef-Ego zu betrachten sondern eher "die Intelligenz des Umfelds". Das sei "postheorisch", findet Frank Appel, Chef der Deutschen Post DHL, es bestimmt nicht mehr einer mit dicker Zigarre, wo es lang geht, sondern einer, der Teams steuert. Doch der Normalfall ist das nicht – trotz all der Seminare und Ratgeber, die es zum Chefthema gibt.

Hans Ochmann, Mitglied der Geschäftsführung bei Kienbaum Consultants, betont, dass sich zwar die Rahmenbedingungen für Führungskräfte geändert haben, nicht aber unbedingt deren Kompetenz: "Gerade im Internet gibt es vielerlei Kanäle, in denen sich Angestellte trefflich über ihre Vorgesetzten auslassen können". Problematisch sei, dass man sich da sehr allgemein zu einer Sache äußere, die Differenziertes erfordere. Die Führungskräfte von heute haben es mit viel mehr Dynamik und Komplexität in den Unternehmen zu tun, die Anforderungen an sie seien mittlerweile sehr hoch: "Früher haben sie Spielzüge gelernt, heute müssen sie das ganze Spielfeld überblicken."

In einer Zeit, in der deutsche Firmen noch volle Auftragsbücher haben, stößt das Verhalten der Chefs intern bitter auf, sagt Erfolgsautor Wehrle. "Die Vorgesetzten preisen nach außen die Erfolge des Unternehmens und nach innen geben sie Spardivisen aus: Das ist Kommunikation mit zwei Zungen." Andererseits sind Mitarbeiter nicht ganz unschuldig an der Misere, denn "deutsche Arbeitnehmer leben in einer Untertanenkultur", so Wehrle.

Eine Studie der Universität Harvard gibt den Wutmitarbeitern recht: Forscher haben herausgefunden, dass einfache Angestellte oft gestresster sind als ihre Vorgesetzten. Das, so begründen die Wissenschaftler, hänge damit zusammen, dass Führungskräfte Entscheidungsspielräume haben, die Untergebenen aber fehlten. Die Medizinerin Dagmar Ruhwandl kommt noch zu einem anderen Schluss. Das Verhältnis von Chefs zum Personal sei häufig wegen Minderleistungen stressig: "Wenn etwas nicht läuft, versuchen wir, die Dinge nach oben zu projizieren." Es treffe meist einen der Chefs, allerdings nicht unbedingt den direkten Vorgesetzten. Der Mitarbeiter fühle sich dann zum "Nichtstun verdammt", eine Ursache für Burn-out. Und durch das Lästern über Chefs, und das Reden darüber, fühlten sich die Lästerer bestätigt. Kurzzeitig entsteht ein Gefühl von Überlegenheit.

Deutschland, sagt Autor Wehrle, brauche eine neue Führungskultur – und eine neue Art von Persönlichkeiten in den Chefetagen. "Eigenschaften wie Charisma erleben in dieser unsicheren Zeit eine Renaissance", sagt Kienbaum-Partner Ochmann. Ein Mensch mit Ausstrahlung vermittle Sicherheit, Machismo aber schreckt ab. Solche Eigenschaften könne man nicht lernen, das sei "Typ-Sache." Doch er weiß auch: "Führung ist auch Handwerk."


Was that easy? Did you find it difficult?

The German used in the Süddeutsche is quite high level, so you are not the only one who had problems with this article. Many Germans without academic training would also struggle with parts of this text.

Questions

Answer each question in your own words first, then reveal the model answer underneath. Try before you peek — that is what makes the exercise effective.

  1. 1. Wer ist Martin Wehrle?

    Show answer

    Martin Wehrle ist ein freiberuflicher Karriereberater aus Hamburg.

  2. 2. Was versteht man unter dem Begriff “Kummerkasten-Onkel”?

    Show answer

    Martin Wehrle ist der “Kummerkasten-Onkel” für deutsche Angestellte: Er hört frustrierten Büromenschen zu, die ihm tagtäglich von ihren Erlebnissen mit vermeintlich unfähigen Chefs berichten, und gibt ihnen Ratschläge. Aus diesen Geschichten macht er Bücher.

  3. 3. Warum ist das Thema wieder aktuell?

    Show answer

    Das Thema ist wegen der derzeitigen wirtschaftlichen Lage wieder aktuell. Die gesamte Berufswelt ist im Wandel, die Sicherheit der vergangenen Jahre ist weg, und es müssen täglich neue Entscheidungen in einem unsicheren Umfeld getroffen werden.

  4. 4. Was ist die Devise der Chefs in den Unternehmen?

    Show answer

    Die Devise der Chefs ist “Command and Control”, also befehlen und kontrollieren. Dabei steht das Ego des Chefs im Vordergrund.

  5. 5. Wie sollte ein Vorgesetzter in der modernen Arbeitswelt sein?

    Show answer

    In der Zukunft sollte “Diversity Management” in den Unternehmen gelten. Das bedeutet, dass nicht mehr allein das Ego des Chefs betrachtet werden soll, sondern das Team mehr an Entscheidungen beteiligt wird (“Intelligenz des Umfelds”).

  6. 6. Um welche Zeitstufe handelt es sich bei dem Satz: “Vielfalt müsse als Bereicherung gesehen werden, denn die Welt sei mehr als nur schwarz und weiß.”?

    Show answer

    Es handelt sich hierbei um eine Kombination aus dem Konjunktiv II der Gegenwart und dem Passiv.

  7. 7. Welche grammatikalische Struktur stellt in denen im folgenden Satz dar: “Gerade im Internet gibt es vielerei Kanäle, in denen sich Angestellte trefflich über ihre Vorgesetzten auslassen können.”?

    Show answer

    “In denen” leitet einen Relativsatz ein und ist deswegen ein Relativpronomen. In diesem Satz bezieht es sich auf das vorausgehende Objekt “vielerei Kanäle”. Im Nebensatz, den das Relativpronomen einleitet, hat es die Funktion eines Dativs im Plural.

  8. 8. Geben Sie ein Synonym für das Verb preisen in dem Satz: “Die Vorgesetzten preisen nach außen die Erfolge des Unternehmens und nach innen geben sie Spardivisen aus.”

    Show answer

    Ein Synonym für das Wort “preisen” wäre “loben”.

  9. 9. Um was für eine grammatikalische Konstruktion handelt es sich bei dem Wort Untertanenkultur?

    Show answer

    Bei dem Wort “Untertanenkultur” handelt es sich um ein Nomenkompositum, eine Verbindung aus zwei Nomen. Dabei nimmt das zusammengesetzte Wort den Artikel des letzten Wortes an: der Untertan + die Kultur > die Untertanenkultur.

  10. 10. Welche Präpositionen stehen mit den folgenden beiden Verben?

    zusammenhängen ___

    lästern ___.

    Show answer

    Zusammenhängen mit; lästern über.

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Key grammar concepts in this text

The article uses Konjunktiv II (subjunctive II) extensively for indirect speech — for example, es sei essentiell, die Chefs funktionierten nicht mehr. This is a hallmark of German journalistic writing: when reporting someone else’s opinion, the writer shifts into subjunctive to mark it as reported rather than asserted fact. C2 learners must recognise and be able to reproduce this shift.

The text also contains numerous Nomenkomposita (compound nouns) such as Untertanenkultur, Führungskultur, Kummerkasten-Onkel, and Entscheidungsspielräume. Understanding how German builds meaning by chaining nouns together — where the last noun determines gender and the preceding nouns modify it — is essential for advanced reading comprehension.

Continue your C2 practice with the C2 listening exercise (Sprechstunde) and the C2 opposites (Gegenteile) vocabulary exercise. If you want to reach this level, you probably need the help of a professional German teacher — see the German course options in Munich.

For authoritative grammar and usage reference, see the Duden language guide and DW Learn German.


Frequently asked questions

What is a German C2 reading comprehension (Leseverständnis) exercise?

A C2 reading comprehension exercise (Leseverständnis) asks you to read an authentic, demanding German text and answer questions about its meaning, vocabulary and grammar. This free exercise is based on a Süddeutsche Zeitung article about workplace culture (“Mein Feind, der Chef”) and trains advanced vocabulary, indirect speech (Konjunktiv), relative pronouns and compound nouns (Nomenkomposita).

What is the best way to approach a C2 German reading comprehension text?

Read the text once for the overall meaning, then read each question and locate the passage it refers to. Answer in your own words, quoting key phrases from the text. For the grammar questions, look for Konjunktiv I/II in indirect speech, relative pronouns and compound nouns. Only after you have tried do you reveal the model answer for each question.

What does Konjunktiv mean in German journalism?

In German journalism, reported speech is normally marked with Konjunktiv I (e.g. es sei essentiell, sie funktionierten nicht mehr). Konjunktiv II expresses unreal or hypothetical statements and is used in indirect speech whenever Konjunktiv I would be identical to the indicative. In this article, forms like müsse … gesehen werden combine the subjunctive with the passive voice to mark a reported opinion.

What is a Nomenkompositum (compound noun) in German?

A Nomenkompositum is a compound noun made of two or more nouns, e.g. Untertanenkultur (der Untertan + die Kultur), Führungskultur, Kummerkasten-Onkel. The last noun determines the gender and plural; the preceding nouns act as modifiers. Understanding this word-building pattern is essential for C2 reading comprehension.

How can I improve my German reading skills for the C2 exam?

Read authentic German daily — newspapers such as the Süddeutsche Zeitung, Die Zeit or Frankfurter Allgemeine — and note subjunctive forms, compound nouns and relative clauses. Complete free exercises like this one, then get personal feedback from a qualified teacher. A private German course in Munich with individual corrections is the fastest way to reach C2 fluency.

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