Wie ihr wisst, liegen mir linguistische Themen am Herzen, vor allem im Bezug auf die deutsche und die italienische Sprache.

Deswegen möchte ich euch folgenden Fall vorschlagen http://www.tagesspiegel.de/berlin/reaktion-auf-martenstein-glosse-schulverwaltung-korrigiert-wirren-eltern-brief-ein-bisschen/11728190.html

Die Angelegenheit entflammt bereits seit Tagen die Berliner Politikszene, seit dem Zeitpunkt als der Tagesspiegel in Berlin einen Artikel über diesem Fall veröffentlicht hat, in welchem er Beschwerden einiger Personen sammelte.

Es geht um eine Abgeordnete der SPD, Sandra Scheeres, Beauftragte in Sachen Erziehung, die 20000 Eltern, deren Kinder möglicherweise Probleme mit der deutschen Sprache haben könnten, einen Brief geschrieben hat Dabei ging es um Eltern von Migrantenkindern, die über die Prozedur des Deutschlernens seitens ihrer Kinder, informiert werden sollten.

Eine Teil dieses Briefes ist im Folgenden aufgeführt:

Ihr Kind hat in der Kindertageseinrichtung sein Sprachlerntagebuch erhalten, mit dem vor allem die Beobachtung seiner sprachlichen Entwicklung dokumentiert und mit Ihnen regelmäßig über die Fortschritte Ihres Kindes gesprochen wird. Wenn Sie es wünschen, erhalten selbstverständlich eine Kopie. Mit dem Erhebungsbogen der ,Quasta’ auf der Grundlage des Sprachlerntagebuches wird im Sinne des Gesetzes zu dem vorgegebenen Zeitpunkt der Sprachstand für Kinder ab einem Alter von vier Jahren festgestellt. Es ist zu dringend zu empfehlen, die weitere Förderung zu sichern.

Der Brief hat, aus verschiedenen Gründen, eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Der erste Grund ist der bezüglich der im Brief verwendeten Sprachwahl: reine Bürokratie.

Es ist in der Tat nicht sehr vernünftig diese abstruse Sprachwahl zu verwenden,um mit Personen zu kommunizieren,die höchstwahrscheinlich selber Probleme mit der deutschen Sprache haben, aufgrund dessen, dass es sich um Einwanderer handelt.Es scheint eher einem Zurschaustellung von Macht als einem wahrhaften Bedürfnis mit anderen Menschen zu kommunizieren. Wie dem auch sei, ist es nichts Neues, dass die Politik in Deutschland wie auch in Italien, sich immer mehr vom Volke entfernt. In diesem Fall handelt es sich um eine linguistische Entfernung!

Auch wenn dieser Auseinandersetzungsgrund kontrovers ist, ist der zweite Grund auf jeden Fall unvorstellbar und es bleibt euch überlassen ihn beim Lesen von weiteren zwei Sätzen der Scheeres zu entdecken:

  • “Es ist zu dringend zu empfehlen, die weitere Förderung für Ihr Kind mit dem kontinuierlichen Besuch in einer Kindertageseinrichtung bzw. in der Kindertagespflege zu sichern.”
  • “Natürlich haben Sie einen Anspruch darauf, dass die Ergebnisse der Erhebung mit Ihnen besprochen werden und wenn Sie es wünschen, erhalten selbstverständlich eine Kopie.”

Nichts gefunden? Wie euch bestimmt aufgefallen ist, gibt es zwei Grammatikfehler, wenn ihr wollt Druckfehler. Nichtsdestotrotz sollte das dadurch erklärt werden, wenn man sich vor Augen führt, dass es sich hierbei um einen Brief von einer Schulverwaltung kommt und das Thema behandelt, die deutsche Sprache von Migrantenkindern zu verbessern.

Für diejenigen die ein wenig durcheinander sind, die Fehler sind:

  • im ersten Satz ist ein “zu” zu viel, es müsste lauten:” Es ist dringend zu empfehlen (…)”
  • im zweiten Satz, verlangt die Imperativform in der dritten Person Plural ein “Sie”, also sollte es lauten: “(…) wenn Sie es wünschen, erhalten Sie selbstverständlich eine Kopie.”

Der Vollständigkeit halber, sollte erwähnt werden,dass die Geschichte widersprüchlich ist und der Tagesspiegel noch nicht eine Kopie des Briefes mit den Fehlern veröffentlicht hat,

Die Situation ist bestimmt paradox, aber wenigstens gibt es eine positive Seite und die ist, dass es jemanden gibt der sich um die linguistische Bedürfnisse von Migrantenkindern kümmert. Das ist positiv, auch wenn es nicht zu einer erhöhten Aufmerksamkeit führt, für ein Problem das alles in allem eine Lösung finden wird. Das linguistische Defizit eines Kindes das in die Schule geht, stellt sich ganz von alleine ein.

 

Bemerkung zum Verfasser

Mein Name ist Giulia Pulizzotto und ich bin Privatlehrerin für Deutsch und Italienisch in München. Ich bin schon immer interessiert gewesen an Problemen im Bezug auf kulturelle Integration und linguistische Ausbildung, da ich selber ein Kind von Einwanderern bin.

Ich habe einen Hochschulabschluss in Sprachwissenschaften und spreche Deutsch, Italienisch, Polnisch, Englisch und Französisch. Studio NaVivo ist mein Projekt für das Unterrichten der Sprachen Deutsch und Italienisch in München.